Bubble? What Bubble?
OpenAI sammelt viel Geld ein, hat aber kein Geschäftsmodell. Musk hat auch kein Geschäftsmodell, will aber noch viel mehr Geld einsammeln
Bild: Google Nano Banana, Prompt Der Promptologe
Seit zwei Jahren betrachtet Der Promptologe fasziniert die Bewertungen von Firmen, die kein Geschäftsmodell haben. Und die, deren Geschäft zwar anläuft, deren Erträge aber in keiner Relation zur Bewertung stehen.
Vorneweg OpenAI mit ihrem Modell ChatGPT: Ja, sie haben KI in den Mainstream gebracht und das hyperbeschleunigte Wettrennen losgetreten. Vor zwei Jahren sah es kurz so aus, als ob sie Google wirklich gefährlich werden könnten. Schnellstes Wachstum der User-Zahlen jemals. Unglaublicher Hype. Neue Releases mit neuen Features in Monatsabständen. Unglaublich faszinierende Bilder und dann ganze Videos.
Und jetzt wieder ein Rekord: 122 Milliarden Dollar diese Woche eingesammelt, was zu einer Bewertung des Unternehmens mit 852 Milliarden Dollar führt.
Open AI: Börsengang dieses Jahr?
OpenAI sagte am Dienstag, dass 900 Millionen User jede Woche auf den Diensten aktiv sind. Davon sind allerdings nur 50 Millionen zahlende Mitglieder. Damit habe das Unternehmen einen Umsatz von 2 Milliarden Dollar pro Monat generiert. Im letzten Jahr habe es einen Umsatz von 13,1 Milliarden Dollar erzielt.
Bei diesen Zahlen nicht überraschend: Das Unternehmen verbrennt immer noch Bargeld und ist nicht profitabel. Und will wahrscheinlich dieses Jahr an die Börse.
Gleichzeitig haben andere das Feld betreten und mit unglaublichem Tempo aufgeschlossen und überholt:
Google mit KI-Antworten im Suchergebnis direkt. Integration mit Gmail, Photos, etc. Kein Grund mehr, einen besonderen Chat aufzusuchen - ihr könnt gleich im Suchergebnis weiterchatten. Nano Banana, das führende Bildmodell, Videos, Musik. Gravity, eine eigene Entwicklungsumgebung fürs Programmieren. Natürlich auch noch den direkten Chat im Gemini Chatfenster, etc.
Anthropic mit Claude: Sehr guter Chat. Der Schwerpunkt sind aber professionelle Anwendungen: Claude Code - der führende Programmierassistent. Starke Coding-Benchmarks (SWE-bench 80.8%), Integrationen (Slack, Figma, Asana), Zero-Retention Privacy, Agent SDK. Mit Claude Work der spannendste Desktop-Assistent. Führend bei Sicherheit und Datenschutz.
Microsoft mit seinem CoPilot integriert in die MS365 Arbeitsumgebung und damit in so gut wie jedem Unternehmen präsent.
Und das sind nur die ganz Großen. Daneben gibts noch eine Vielzahl von kleinen Anbietern, die sich auf wenige Nischen spezialisiert haben. Sie haben in der Regel keine eigene KI, sondern binden unter der Oberfläche die KIs der großen ein. Hier mal nur Perplexity genannt, für den Promptologen immer noch der beste Recherchier-Assistent. Auch dieser Artikel ist mit Zuarbeit von Perplexity entstanden :)
Ach ja, außerdem jede Menge Open-Source-Modelle, von sehr leistungsfähigen chinesischen bis hin zum kleinen Krauter um die Ecke, der auch ein LLM als Hobby zusammenbaut. Ihr könnt selber LLMs auf eurem Mac laufen lassen - komplett kostenfrei:
Ollama: Das beliebteste Tool für Einsteiger. Einfache Installation per App-Download, dann
ollama run llama3im Terminal – das Modell wird automatisch heruntergeladen und läuft lokal. Unterstützt Modelle wie Llama 3.1/3.2, Mistral, Gemma oder Qwen; mit optionaler WebUI (Open WebUI) für ChatGPT-ähnliche Oberfläche.LM Studio: Voll grafisch, ohne Terminal. Suche und lade Modelle (z. B. von Hugging Face) direkt in der App, starte Chats sofort. Ideal für Mac-Nutzer, die klicken möchten; unterstützt Quantisierung für kleinere Modelle auf weniger RAM.
Jan.ai: Open-Source-Alternative mit Desktop-App, integriertem Modell-Store und einfacher UI. Läuft LLMs wie Phi-3 oder Mistral lokal, mit Fokus auf Privatsphäre und Offline-Nutzung
Wo bleibt die Killer-App?
Was also kennzeichnet die Entwicklung und Landschaft der KI-Angebote? Es zeigt sich, dass keiner wirklich ein Alleinstellungsmerkmal hat – die Killer-Applikation, die Milliarden Menschen bewegt, hier zu kaufen. Oder zumindest den Dienst zu nutzen.
Jede Neuigkeit wird innerhalb Monaten von den anderen Anbietern nachgebaut und die Kopie ist oft sogar besser als das Original. Siehe Bildgenerierung - ChatGPT war mit DALL-E der Pionier, jetzt gilt Googles Nano Banana als Spitzenreiter. Das gilt für Programmierassistenten genauso wie für „multimodale Modelle“ - alle können jetzt Text und Bilder und Video und Spracheingabe und was auch immer. Und wenn einer was nicht kann, wird er einen Monat später können.
Das alles kostet wahnsinnig viel Geld. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der 20 Dollar Monatspreis, der sich als Standard etabliert hat, nicht kostendeckend ist. ChatGPT will allen Ernstes nun Werbung auf dem Chat verkaufen. Das klingt schon sehr verzweifelt. Ins Bild der Geldknappheit passt auch, dass OpenAI nur sechs Monate nach Start ankündigt, das Video-Modell Sora Ende April abzuschalten. Es täte ihnen auch leid, aber das wird halt alles zu teuer.
Besonders faszinierend: Disney hatte im Dezember 2025 eine Partnerschaft mit OpenAI vereinbart, die eine Investition von 1 Milliarde US-Dollar umfasste. Diese ist drei Monate später geplatzt - weil selbst die Milliarde keine Refinanzierung für die Kosten der Video-Erstellung erkennen ließ. Angeblich betragen die Betriebskosten bis 15 Mio. Euro täglich. Weniger angeblich und sehr real sind die rechtlichen Probleme: Deepfakes, Copyright-Klagen. Gift für einen Börsengang.
In bester Start-up Manier fordert OpenAI die Kreativen auf, ihre Videos doch bitte einfach jetzt herunterzuladen. Denn was nach dem Abschalten damit passiert, darüber denke man noch nach.
Allein, es funktioniert nicht:
Der Promptologe versucht seine Videos von Sora herunterzuladen
Und damit mal wieder der Hinweis: Die Cloud ist auch nur der Computer eines Anderen. Sichert euren Kram immer wieder lokal bei euch auf eurer Festplatte - sonst guckt ihr in die Röhre.
So langsam wird deutlich, nicht jeder Anbieter wird bei diesem hyperbeschleunigten Rennen durchhalten. OpenAI bleibt nur die Hoffnung, beim Börsengang so richtig abzuräumen und den heutigen Investoren einmalig viel Geld in die Kasse zu spülen. Was danach mit Kurs und Firma passiert, ist zweitrangig. Draufzahlen werden alle, die dem Hype glauben und zum IPO kaufen. Dabei ist OpenAI sogar ziemlich ehrlich - gegenüber Bloomberg sagten sie:
„Momente wie diese kommen nicht oft“, sagte OpenAI. „Das Kapital, das heute eingesetzt wird, trägt zum Aufbau der Infrastrukturschicht für die Intelligenz selbst bei. Im Laufe der Zeit wird dieser Wert zurück in die Wirtschaft, an Unternehmen, an Gemeinden und zunehmend an Einzelpersonen fließen.“
„Zunehmend an Einzelpersonen“ - das sollte allen eine deutliche Warnung sein.
Wer macht das Rennen
Für Otto Normaluser ist KI bereits einfach ein Feature von Google, es gibt keinen wirklichen Grund mehr, eine andere Firma dafür aufzusuchen. Google muss außerdem mit KI erstmal kein Geld verdienen, sie haben die Nutzer, sie haben die Rechenzentren, sie haben ein enorm gesundes Geschäftsmodell laufen, sie können einfach abwarten.
Anthropic mit Claude hat seine Nische im Programmierumfeld gefunden, sie haben sich deutlich als Marke etabliert und können so signifikante Business-Nutzerzahlen erreichen. Zudem haben sie sich durch den Clinch mit dem US-Kriegsministerium als die ethische Alternative etabliert (während sich OpenAI in der verzweifelten Suche nach Geld sofort prostituiert hat und dem Kriegsministerium gesagt hat, sie machen alles mit). Ob das aber ausreicht, die enormen Kosten für Rechenzentren zu decken, wird sich zeigen.
Microsoft hält Anteile an OpenAI, hat aber seinen CoPilot schon für andere Modelle geöffnet und nun auch noch angekündigt, selber führende KI-Modelle bis Ende 2027 zu entwickeln. Entweder sie machen das, oder sie schlucken Anthropic, sollte der Börsengang platzen. Allerdings niemals zur jetzigen Fantasy-Bewertung.
Und damit kommen wir zu Elon Musk.
Zwei Billiarden für Elon
Der Meister der substanzlosen Bewertung hat das sofort verstanden – „Momente wie dieser kommen nicht oft“ – und sieht die Chance, nochmals mehr Geld einzusammeln. Da keine seiner Unternehmungen wirklich Börsenphantasie freisetzt, hat er sich entschlossen, alles einfach in einen Korb zusammenzuschmeißen. Ob’s passt? Egal, man muss nur die Idee verkaufen:
SpaceX, die Raumfahrtfirma. Einzige relevante Einkommensquelle: Das Satelliten-Internet Starlink, soll in diesem Jahr 20 Milliarden Umsatz einspielen. Firmenrechtlich gehört SpaceX zu Tesla.
XAI - die KI darf natürlich nicht fehlen. Die bringt nichts ein, kostet aber gewaltig Geld: Nach eigener Auskunft verbrennt sie eine Milliarde Dollar cash pro Monat. Was der Nutzer davon mitkriegt: Er darf sich mit dem besoffenen Chatbot Grok vergnügen. Aber auch für autonomes Fahren und Robotersteuerung ist XAI zuständig.
Und auch noch das ehemalige Twitter, jetzt X, ist im Korb. Macht aber so wenig Umsatz, dass er nicht erwähnt wird.
Schon der jetzige Börsenkurs von Tesla ist Fantasy. Die Firma stellt derzeit mit Y und 3 noch zwei relevante Modelle her (der Cybertruck spielt keine Rolle) und verliert im dritten Jahr in Folge Marktanteile. In Europa sind sie auf 1,1 Prozent der Neuzulassungen gefallen – für einen Wachstumswert an der Börse eigentlich ein Todesurteil. Es gibt keinen rationalen Grund für den Kurs der Tesla-Aktie. Aktienkurse spiegeln das Potenzial einer Firma, ihre Wachstumschancen und zukünftige Entwicklung. Die Autofirma Tesla hat aber keine Zukunft mehr.
Das hat unser Glücksritter Elon Musk erkannt und sich an die Spitze der Bewegung gesetzt – das Robo-Taxi und Roboter sollen den Tesla-Brand in die Zukunft führen. Nun hat das autonome Fahren bisher schon nicht geklappt und – Überraschung – klappt auch beim Robo-Taxi nicht. Was man als Letztes hörte: Im Feldversuch fahren jetzt nur noch 4 (in Worten: vier) Robo-Taxis und auch die werden von Begleitfahrzeugen ferngesteuert.
Die Tesla-Roboter… nun ja, seht selbst:
Bleibt als wirklich einziges substantielles Unternehmen SpaceX, das aber neben der alten Story mit Starlink inzwischen dringend eine neue fantasieanregende Geschichte benötigt. Und schon zieht unser Zauberer Musk die heißesten Themen aus dem Hut – Raumfahrt, KI und Rechenzentren.
Er will KI-Rechenzentren in die Umlaufbahn schicken, weil – da muss man keinen Grund und Boden kaufen wie auf der Erde. Wirklich. Und weil es Musk ist, wird geklotzt: Er will eine Million solcher Rechenzentren ins All schießen.
Eine Million.
Warum das ein ausgemachter Blödsinn ist, könnt ihr hier in aller Ausführlichkeit nachlesen:
Nun also die Frage, wie kann es sein, dass SpaceX zum Börsengang mit über zwei Billionen Dollar bewertet wird? Auch Bloomberg wundert sich:
Mit mehr als 2 Billionen Dollar würde die Bewertung von SpaceX innerhalb von Monaten um fast zwei Drittel steigen. Die Übernahme von Musks xAI durch das Unternehmen bewertete das kombinierte Unternehmen mit 1,25 Billionen US-Dollar, berichtete Bloomberg News im Februar.
Es wäre auch größer als alle bis auf fünf der Unternehmen im S&P 500 Index - Nvidia Corp., Apple Inc., Alphabet Inc., Microsoft Corp. und Amazon.com Inc. Es wäre größer als Meta Platforms Inc. und Musks eigene Tesla Inc., die beiden anderen Mitglieder der sogenannten Magnificent 7-Aktien.
Quelle: https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-04-02/spacex-is-said-to-target-more-than-2-trillion-valuation-in-ipo
Offenbar muss das aber so sein, wenn Musk vorne herumturnt. Da muss es gigantisch, noch nie dagewesen sein. Die Sammlung aller Buzzwords, Zukunftsversprechen jenseits jeder Realität, Wachstumsprognosen, die zum Beispiel einen Roboter für jeder Erdenbewohner prognostizieren.
Es ist ja nicht so, dass wir dieses Muster von Elon nicht kennen würden. Die Versprechen, als er noch Geld mit Autos machen konnte, waren ja nicht weniger hanebüchen. Alles schon vergessen? Autonomes fahren schon seit Jahren, Wachstum im Absatz, elektrische LKW, vermieten des eigenen Autos als autonomes Taxi. Und auch SpaceX: In diesem Jahr wollte er auf dem Mars landen. Jetzt kommt er nichtmal zum Mond.
Aber solange genügend Investoren denken, dass sie mit einer Beteiligung beim größten Börsengang aller Zeiten reich werden, so lange werden alle das Spiel mitspielen. Sie werden den Wert ihrer Anteile versilbern. Die anderen, die wegen des Hypes zum IPO kaufen, werden Kapital verlieren. So spielt das Leben. Das Geld ist dann nicht weg, es hat nur jemand anders die Kohle.





