Das beste Modell aller Zeiten reloaded: bei Nr. 4 musste ich staunen!
Seit dem letzten Artikel wurde dem Promptologen mindestens viermal das leistungsstärkste Modell aller Zeiten präsentiert. Und ein neuer Player betritt die Arena. Der alles anders machen will.
There’s a new Kid on the Block: Inkling übt sich im Überholen, ohne einzuholen.
Karikatur Nano Banana2, Prompt Der Promptologe
Der Promptologe hatte es vor sechs Wochen hingeschrieben, schwarz auf weiß: Er testet nichts mehr. Er ist mit Claude zufrieden. Das Rad der Benchmark-Ekstasen dreht sich ohne ihn.
Das Rad hat sich nicht darum gekümmert.
Seit dem letzten Artikel zu diesem Thema – „Das Beste Modell Aller Zeiten. Schon wieder.“ vom 8. Juni – ist Folgendes passiert: OpenAI hat neue Modelle vorgestellt. Anthropic auch. Und dann betritt noch jemand die Bühne, der bislang nur im Hintergrund gemunkelt wurde. Aber der Reihe nach.
Das Tempo, das selbst Washington nervös macht
OpenAIs neuestes Angebot hört auf den Namen GPT-5.6. Was daran auffällt, ist nicht das Modell selbst – sondern wer gebeten hat, damit kurz innezuhalten. Die Trump-Regierung hat OpenAI ersucht, die Veröffentlichung gestaffelt durchzuführen: erst ein kleiner Kreis vertrauenswürdiger Partner, dann der Rest der Welt. Sicherheitsbedenken, versteht sich.
Man muss das kurz sacken lassen. Der Promptologe staunt.
Bisher war es so: Die KI-Labore preschen vor, die Regulatoren hecheln hinterher, und zwischendrin schreibt irgendjemand einen besorgten Gastbeitrag in der FAZ. Dass nun ausgerechnet die amerikanische Regierung – jene Regierung, die Regulierung normalerweise für ein Schimpfwort hält – bei OpenAI anklopft und sagt: Jungs, vielleicht ein bisschen langsamer? Das ist neu.
GPT-5.6 ist im Übrigen nicht das einzige Modell, das OpenAI in diesen Wochen bewegt. In den Newslettern des Promptologen tauchten zuletzt auf: GPT-5.5, GPT-5.6 Preview, GPT-5.6 Sol. Ob das drei verschiedene Modelle sind, drei Varianten eines Modells oder ein Marketingteam auf Kreativkurs – der Promptologe hat aufgehört, das zu zählen. Sein Archiv zählt weiter.
Anthropic: Jetzt mit mehr Clauds
Anthropic seinerseits hat sich ebenfalls nicht zurückgehalten. Seit Anfang Juli ist Claude Sonnet 5 draußen. Und dann wäre da noch Claude Fable 5 – ein Modell, das in den Benchmarks von Thinking Machines Lab (dazu gleich) auf einer Ebene mit den absoluten Spitzenmodellen gehandelt wird. SWE-Bench Verified: 95 Prozent. Das ist eine Zahl, bei der man sich fragt, ob da noch etwas zu verbessern ist – oder ob man es einfach laufen lassen und aufhören sollte, Zahlen zu veröffentlichen.
Auch hier hat die US-Regierung erstmal gezuckt, Fable war grade ein paar Tage verfügbar, da musste es für alle außerhalb der USA gesperrt werden, auf Anordnung von oben. Leicht ratlos schrieb Anthropic, man wüsste jetzt auch nicht wieso. Das klärte sich dann schnell: „Sicherheitsforscher“ von Amazon hätten Trumps Trümmer-Truppe auf vermeintliche Gefahrstellen hingewiesen. Der Promptologe ist sich vermeintlich sicher, dass man da einfach einem Konkurrenten vors Schienbein treten wollte. Denn nach wenigen Tagen, siehe da, war Fable 5 wieder für alle verfügbar. Natürlich mit verbesserter Sicherheit. Schon klar.
Der Promptologe erinnert sich, dass er im letzten Artikel geschrieben hat, Anthropic sei so ziemlich der einzige Anbieter, der noch ethische Ansprüche an sich selbst stelle. Daran hat sich nichts geändert. Claude Fable 5 ist auch bei Safety-Benchmarks vorne: 96 Prozent auf FORTRESS Adversarial, dem Test für Weigerungsverhalten bei gefährlichen Anfragen. Das ist der höchste Wert in der gesamten Vergleichstabelle.
Ob das jemanden interessiert? Der Markt sagt: mäßig. Die Nutzer sagt: hauptsächlich dann, wenn ein Chatbot mal wieder eine Mordanleitung produziert hat und es in den Schlagzeilen steht. Die EU: sollte sich spätestens jetzt ein paar Milliarden für Mistral aus den Rippen leiern, wenn sie nicht beim nächsten Bauchentscheid der USA in die Röhre gucken will.
Der neue Mitspieler: Thinking Machines Lab
Heute, am 17. Juli 2026, hat Mira Murati ihr erstes Modell veröffentlicht.
Murati war bis Ende 2023 Chief Technology Officer bei OpenAI. Sie hat das Unternehmen verlassen, ein Start-up gegründet – Thinking Machines Lab – und seitdem geschwiegen. Die Gerüchteküche hat fleißig geköchelt: Milliarden-Bewertung, Zuckerberg wollte sie kaufen (hat sie abgelehnt), irgendwann kommt was Großes.
Das Große heißt Inkling.
Inkling ist ein sogenanntes Mixture-of-Experts-Modell mit 975 Milliarden Parametern insgesamt, 41 Milliarden davon aktiv. Es versteht Text, Bilder und Audio nativ. Die Gewichte sind offen – das heißt, jeder kann das Modell herunterladen, anpassen, weiterbauen. Und es gibt von Anfang an eine kleine Version: Inkling-Small, 12 Milliarden aktive Parameter, für Anwendungen, bei denen Geschwindigkeit und Kosten mehr zählen als rohe Leistung.
Was macht der Promptologe aus diesem Eintritt? Er beobachtet.
Denn Inkling ist ausdrücklich nicht als das beste Modell der Welt positioniert. Die eigene Benchmark-Tabelle zeigt es klar: Bei reiner Reasoning-Leistung liegen Claude Fable 5 und GPT-5.6 vorne. Inkling hat andere Ambitionen – Anpassbarkeit, Kosteneffizienz, multimodale Breite. Das ist eine andere These vom KI-Modell. Nicht: Wir sind die Stärksten. Sondern: Macht es zu eurem eigenen.
Der Promptologe erinnert sich an den alten Slogan der DDR selig: Überholen ohne einzuholen. Was hat er damals gelacht. Und jetzt kommt einer und versucht es.
Ob das die richtige These für einen überfüllten Markt ist, wird sich zeigen. Immerhin: Zuckerberg hat 1,5 Milliarden Dollar für dieses Team geboten. Murati hat abgelehnt. Dann sollte sie eine Idee haben.
Stand der Privatstatistik
Der Promptologe hat, als er im Juni seine kleine Privatstatistik erwähnte, nicht ahnen können, wie schnell sie sich füllen würde. Die Zählung läuft weiter: Seit dem letzten Artikel wurde dem Promptologen mindestens viermal das leistungsstärkste Modell aller Zeiten präsentiert. Macht inzwischen dreizehn in zwölf Monaten. Tendenz: ungebrochen.
Was sich verändert hat, ist die Qualität der Kandidaten. Claude Fable 5 mit 95 Prozent auf SWE-Bench ist kein Marketing-Benchmark mehr – das ist eine Zahl, die etwas über reale Programmieraufgaben aussagt. GPT-5.6 wird von der eigenen Regierung mit Samthandschuhen angefasst. Und Inkling betritt heute die Bühne mit einem anderen Angebot als alle anderen.
Der Zirkus läuft. Das Zelt ist größer geworden.
Der Promptologe bleibt draußen. Mit Kaffee. Und wartet, bis jemand anderes die Eintrittskarte kauft und ihm danach berichtet, was drin war.
Claude Fable 5 hat diesen Text mitgedacht. Ob das ein Interessenkonflikt ist, lässt der Promptologe offen.
Der Promptologe. 17.07.2026.




