#DIY Newsletter-Flut bändigen. Ablenkungen minimieren. Besser leben.
Einmal am Tag eine Zusammenfassung mit allem Wichtigen. Statt fünfmal immer wieder nachgucken. Bau' dir deine Informationsaufbereitung selber. Hab' mehr Freizeit. Lebenshilfe zum Download.
Newsletter-Flut in einer Pipeline verarbeiten und bändigen
Grafik Nano Banana 2, Prompt Der Promptologe
Der Promptologe automatisiert sich selbst. Fast.
Es gibt Menschen, die haben einen strukturierten Arbeitstag. Feste Zeiten für Mails, feste Zeiten für Recherche, feste Zeiten für das Nachdenken. Der Promptologe gehört nicht dazu. Der Promptologe gehört zu den anderen Menschen, die gerade konzentriert über der Finanzabrechn… OH SCHAU MAL EIN EICHHÖRNCHEN.
Der Promptologe hat also ein Dutzend offene Browser-Tabs, ein Firmen-Mail-Postfach, das alle naselang klingelt, den privaten Gmail-Posteingang, der pulsiert wie ein Discostrobe und dreißig Newsletter-Absender, die ihn im Rhythmus von vier bis sechs Stunden mit dem Neuesten aus der KI-Welt beschießen.
Das Problem ist nicht die Information. Die Information ist gut. Das Problem ist der Zeitpunkt. Denn „Seedance 2.0 ist da“ kommt genau dann rein, wenn der Promptologe eigentlich einen Artikel fertigschreiben wollte. Und dann ist der Artikel weg. Stattdessen: Seedance.
Das musste sich ändern.
Die Idee
Die Lösung klingt simpel: Man nehme alle eintreffenden KI-Newsletter, verarbeite sie automatisch, fasse sie zusammen und liefere sie einmal täglich als geordnetes Briefing. Statt dreißig Unterbrechungen also eine. Jeden Morgen um 10:30 Uhr. Kaffee dazu, fertig.
Die Umsetzung ist, wie so oft, der interessante Teil.
Der Promptologe hat Claude als Entwicklungspartner eingesetzt – nicht den schnellen Claude für mal eben was tippen, sondern als echten Gesprächspartner für ein mehrstündiges Bauprojekt. Das Ergebnis ist eine Pipeline aus vier Werkzeugen: Gmail, Make.com, Raindrop.io und ein Google Sheet. Und natürlich Claude selbst, der die Newsletter zusammenfasst.
Gleich zu Beginn: Die Bürokratie schlägt zu
Für die Zusammenfassungen braucht der Promptologe einen Anthropic API-Key. Also auf zur Konsole unter console.anthropic.com. Kleines Guthaben aufladen, Key erstellen, fertig – so die Theorie.
Die Praxis: Das Formular verlangt eine European VAT-Nummer.
Der Promptologe hat keine European VAT-Nummer. Der Promptologe ist kein Unternehmen, das die Mehrwertsteuer selbst abführt. Der Promptologe ist jemand, der fünf Dollar Guthaben aufladen möchte. Claude erklärt geduldig, dass das Feld optional ist und einfach leer gelassen werden kann. Das Formular sieht das anders. Inkognito-Modus. Problem gelöst. Manchmal ist die Lösung banal.
Make.com: Wo Szenarien leben
Make.com ist ein Automatisierungsdienst, der verschiedene Apps miteinander verbindet. Man baut visuelle Ketten aus Modulen – Gmail holt eine Mail, Raindrop.io speichert sie, Claude fasst sie zusammen, Google Sheets trägt alles ein. So die Idee. So auch die Ausführung, nur mit einigen Zwischenstationen.
Verarbeitungskette in Make.com / Screenshot Der Promptologe
Szenario 1 hat sechs Module. Der Aufbau läuft erstaunlich flüssig, bis Modul 4 kommt: Die Claude-API-Anbindung per HTTP-Modul. Hier schlägt die Technik zurück.
Das Problem ist JSON. JSON ist ein Datenformat, streng in seiner Syntax, gnadenlos bei Fehlern. Newsletter-Texte enthalten Anführungszeichen. Anführungszeichen brechen JSON. Claude schlägt Lösungen vor – replace-Funktionen, escaped characters, Data-Structures. Jede Lösung erzeugt eine neue Fehlermeldung. „Invalid IML.“ „Not valid JSON.“ „Invalid reference.“
Nach mehreren Anläufen kommt der rettende Vorschlag: das native Anthropic-Modul in Make.com nutzen, das JSON intern verwaltet. Fortan kein manuelles JSON mehr. Problem gelöst, wenn auch auf Umwegen.
„From now on“ – das Déjà-vu in der Maschine
Es gibt einen Moment in diesem Projekt, der sich mehrfach wiederholt wie ein schlechter Traum. Der Promptologe klickt auf „Run once“. Die Kette läuft durch. Nichts passiert. Keine Mails verarbeitet, kein Eintrag im Sheet, kein Bookmark in Raindrop.
Der Grund ist jedes Mal derselbe: Der Gmail-Trigger ist auf „From now on“ eingestellt. Das bedeutet, er verarbeitet nur neue Mails – nicht die bereits vorhandenen. Die Lösung ist jedes Mal dieselbe: Rechtsklick auf das Gmail-Modul, „Choose where to start“, „All“. Dann läuft es.
Wie oft dieser Schritt im Laufe des Nachmittags wiederholt wird, möchte der Promptologe lieber nicht zählen. Ungefähr so oft, wie man vergisst, den Herd auszumachen.
Der Inhalt fehlt – ein wichtiger Zwischenstopp
Als Szenario 1 endlich läuft, stellt der Promptologe eine Frage, die eigentlich am Anfang hätte gestellt werden sollen: Was genau wird in Raindrop.io gespeichert?
Die Antwort ist ernüchternd. Gespeichert werden Betreff und ein kurzer Snippet – also die Vorschau der ersten paar Wörter. Der vollständige Newsletter-Text fehlt. Das ist ein Problem, weil der eigentliche Plan war, Claude über die Raindrop-Verbindung Fragen stellen zu können wie „Was wurde diese Woche über KI-Agents berichtet?“ Ohne den vollen Text funktioniert das nicht.
Also: Raindrop neu konfigurieren, alle zwanzig frisch gespeicherten Bookmarks löschen, von vorne anfangen. Der Promptologe ist nicht verärgert. Das ist Entwicklungsarbeit. So läuft das.
Beim zweiten Anlauf: Das Excerpt-Feld von Raindrop.io wird mit den ersten 4.000 Zeichen des Newsletter-Textes befüllt. Genug für sinnvolle Suchanfragen. Die zwanzig Bookmarks werden neu eingelesen, diesmal mit Inhalt. Das System meldet dann stolz: „URL has already been bookmarked.“ – weil Raindrop die Duplikat-Erkennung aktiv hat. Das ist kein Fehler, das ist Absicht. Alles gut.
Szenario 2: Der tägliche Report
Das zweite Szenario läuft täglich um 10:30 Uhr morgens: Es holt alle heutigen Einträge aus dem Google Sheet, aggregiert sie zu einer Mail und schickt sie ab.
Auch hier wartet ein kleines Hindernis. Das Datum im Google Sheet wird als Zahl gespeichert – 46156 statt 14.05.2026. Excel-Seriennummer. Das macht den Filter im zweiten Szenario wirkungslos, denn der sucht nach dem lesbaren Datumsformat.
Lösung: Spalte A im Google Sheet als Datum formatieren. Danach stimmen die Formate überein, der Filter greift, die Mail kommt durch.
Zum Abschluss noch eine sinnvolle Ergänzung: Der Promptologe möchte in der Report-Mail direkt auf die Original-Newsletter in Gmail zugreifen können. Dazu wird Szenario 1 um eine fünfte Spalte im Sheet erweitert – den direkten Gmail-Link. Szenario 2 baut daraus einen klickbaren Link pro Newsletter-Eintrag: „→ Original öffnen.“
Das Ergebnis
Die Pipeline läuft. Jeden neuen ungelesenen Newsletter im Gmail-Label „KI-Newsletter“ verarbeitet Szenario 1 alle 15 Minuten: archiviert in Raindrop, zusammengefasst in einem deutschen Satz, eingetragen ins Google Sheet, als gelesen markiert. Jeden Morgen um 10:30 schickt Szenario 2 die Briefing-Mail – mit Datum, Absender, Betreff, Zusammenfassung und direktem Link zum Original.
Der Promptologe hat den ersten automatischen Report am nächsten Morgen erhalten. Fünfzehn Newsletter, jeder in einem Satz, jeder mit Link. Lesedauer: drei Minuten.
Was früher den halben Vormittag zerhackt hat, ist jetzt ein geordneter Block. Seedance 2.0 kann kommen.
Über die Raindrop-MCP-Verbindung kann der Promptologe Claude außerdem direkt fragen, was in den letzten Wochen über bestimmte Themen berichtet wurde. Ob das in der Praxis so funktioniert wie geplant, wird er berichten.
Gesamtaufwand für den Aufbau: ein langer Nachmittag, viele Screenshots, ein VAT-Formular das kein VAT verlangte, und mehr JSON-Fehlermeldungen als der Promptologe je wieder sehen möchte.
Lohnt es sich? Absolut, nach ein paar Wochen mag ich es nicht mehr missen. Und noch ein unbeabsichtigtes Goodie: die Zusammenfassungen liefert mir Claude auf deutsch :)
Wenn ihr es selber versuchen wollt – das Prinzip ist unabhängig von der Art des Newsletters, egal ob es sich um das neueste aus der Quantenforschung oder die heißesten Häkel-Anleitungen handelt:
Eine hilfreiche Anleitung gegen die Newsletter-Flut:
Zum Download die Anleitung als PDF, weil Substack keine Textdateien zulässt 🙄
Am besten das PDF in die KI eures Vertrauens reinwerfen und ihr sagen, dass ihr jetzt damit loslegen wollt:
Update 2: Die aktualisierte Anleitung ist fertig. Die wichtigsten Änderungen gegenüber den ersten Versionen:
Konzept-Erklärung für Anfänger: Was kommt am Ende raus, was sind die zwei Szenarien, wie passt das alles zusammen
Liste der nötigen Accounts mit dem wichtigen Hinweis zur Claude API vs. Claude Pro (das war ja damals dein eigener Stolperstein)
Fertiges KI-Briefing zum Mitkopieren – der Empfänger fügt das in seinen Claude/ChatGPT/Gemini-Chat ein und die KI führt ihn dann Schritt für Schritt durch
5 Aufbau-Phasen mit Zeitabschätzung damit man weiß was einen erwartet
Bekannte Fallen als Vorab-Information – alle heutigen schmerzhaften Lernerkenntnisse sind dort gebündelt (Anführungszeichen-Problem, Contains-Filter, Mark-as-Read-Trap, Rate Limits, etc.)
Konkrete Formeln zum Mitkopieren – damit niemand wieder das Semikolon-Problem oder Tippfehler hat
Raindrop MCP-Anbindung als optionales Extra






Cool. Etwas in der Art, habe ich vor ein paar Wochen auch gebaut. Allerdings für freie News aus meinen Interessensbereichen.
Automatisierung via n8n, Datenbank, integriertes Bewertungssystem, Speichermöglichkeit.
So großartig was moderne KI möglich macht.