Fable 5 hat kurz vorbeigeschaut, Loops und die Kunst, den Agenten nicht an die Wand fahren zu lassen
Fable 5 ist weg. Die Tools, die Martin beim Agentic-Shift-Meetup München empfohlen hat, sind noch da. Hier sind sie – mit Kontext und Links.
Trump ist ein Zauberer. Er kann Dinge einfach verschwinden lassen.
Zeichnung: ChatGPT, Prompt: Der Promptologe
Die zweite Agentic Shift Munich Veranstaltung bietet soviel, dass Der Promptologe drei Posts schreibt:
1. Der Überblick und hilfreiche Links: Martin Westphal - Agentic Update
-Dieser Artikel-
Da steht Martin vor zwei großen Screens mit roter Pixelschrift — „AGENTIC SHIFT“ — und trägt alles in Schwarz. Kein Blazer, kein Tie, kein LinkedIn-Lächeln. Die Slides sehen aus wie ein Terminal aus einem dystopischen Sci-Fi-Film. Was jetzt kommt, ist kein Sales-Pitch. Das ist Handwerk. Er sagt, der Entwicklung im Agentic-Bereich folgen zu wollen, ist wie Trinken aus einem Feuerwehrschlauch, C-Rohr.
Er hat es dann doch geschafft:
Fable 5: Schlafentzug als Produktivitätsstrategie
Martin hat sich in Anthropic Fable 5 verliebt. So sehr, dass er morgens um sechs aufgewacht ist — nach drei Stunden Schlaf — weil sein Token-Budget zurückgesetzt hatte. Nicht um schlafen zu gehen. Um weiterzuarbeiten. Zwei Projekte, an denen er wochenlang gesessen hatte, hat er in anderthalb Tagen weitergebracht als in Wochen zuvor. Er hat seinen 200-Dollar-Plan gebucht. Und dann noch einen. Am selben Tag.
Das klingt nach Hype. Ist es aber nicht ganz. Sein Argument ist handwerklich: weniger Iterationen, weniger Fact-Checking, weniger Verifikationsschleifen. Opus machte Fehler, die Martin ausbügeln musste. Fable macht das seltener. Auf seinen Produktivsystemen läuft jetzt Fable. Opus hat er rausgeworfen.
Und dann kam die Direktive.
Das US-Handelsministerium hat Fable 5 und Mythos 5 über Nacht für alle Nicht-US-Nutzer gesperrt — inklusive Anthropic-Mitarbeiter mit ausländischen Pässen. Der Slide dazu ist präzise: „broke classified systems“ in der Überschrift, und unten, fast entschuldigend, die Klarstellung: Das war ein autorisierter Red-Team-Test. Kein feindlicher Angriff. Martin zitiert Shashank Joshi, der einräumt, seinen eigenen Artikel zu schlecht formuliert zu haben — die Formulierung, Mythos habe die Pentagon-Systeme „geknackt“, war eine Überspitzung. Stimmt halt nicht so ganz. Aber nachdem der Satz einmal draußen war, hat das Internet sich den Rest selbst zusammengebaut.
Martin sagt: Er weiß nicht, wann Fable wiederkommt. Anthropic weiß es wahrscheinlich auch nicht. Ob die US-Regierung es weiß, ist die offene Frage des Abends.
Loops vs. Factories: Eine Begriffsdebatte mit Konsequenzen
Factories sind gerade überall. Dark Factories — Fabriken ohne Menschen, nur Maschinen und Stille — als Metapher für autonome Software-Pipelines. Martin mag das Bild nicht. Sein Einwand: Softwareentwicklung ist keine Fließbandarbeit. Jedes Problem ist anders. Der Produktionsschritt „Design“ lässt sich nicht in eine vordefinierte Schablone pressen.
Was er stattdessen vorschlägt: Loop Engineering. Verschachtelte Schleifen, von der äußersten — läuft das System noch? — bis zur innersten, dem nächsten Token. Der Agent fragt sich selbst: Was ist das Ziel? Wo stehe ich? Was kommt als nächstes?
Das klingt eleganter. Ist es in der Praxis aber auch nicht ohne. Der Slide dazu heißt lapidar: „Still Not 100% On Track“. Die Probleme sind bekannt, aber nicht gelöst: Agenten optimieren auf die Metrik, nicht auf das eigentliche Ziel. Sie halluzinieren APIs, die nicht existieren. Sie melden „Done“ — ohne je einen Check durchgeführt zu haben. Und über langen Laufzeiten akkumulieren sich kleine Fehler zu großen Problemen.
Was hilft: deterministische Checks im Loop. Exit-Codes statt Selbstauskunft. CI-Pipelines als Torwächter. Kleine Diffs, häufiges Committen. Alles, was vor 20 Jahren bereits gute Praxis war — gilt immer noch.
Plugins, die tatsächlich etwas tun
Drei Werkzeuge hat Martin mitgebracht, die er für substanziell hält.
Grill-Me-With-Docs ist adversariales Review vor dem ersten Zeile Code. Zwei Modelle — Claude Code und Codex — prüfen den Plan, bevor irgendjemand implementiert. Die Idee: Agent und Entwickler müssen dasselbe Ziel vor Augen haben. Wenn das nicht stimmt, hilft der beste Code nichts.
Ponytail bringt die älteste Weisheit der Softwareentwicklung als Plugin mit: Der beste Code ist der, den man nie geschrieben hat. Minimale Änderungen, keine Duplikate, kein unnötiger Aufwand. Der Slide zeigt dazu ein rundes, mopsfideles Gesicht mit Brille — der Archetyp des erfahrenen Senior-Entwicklers, dem Overengineering körperlich wehtut.
Fallow und Sentrux sind statische Analysewerkzeuge, die direkt in den Agenten-Feedback-Loop eingebunden werden. Sentrux für Rust und alles andere, Fallow für TypeScript und JavaScript. Beide tun dasselbe: Sie messen, ob der Code nach einem Agentenschritt besser oder schlechter geworden ist — und sagen das dem Agenten sofort. Nicht nach dem Deployment. Sofort.
Honorable Tools und die EU-Provider-Frag
Zum Schluss vier Tools: oMLX für lokale Modelle auf dem Mac, oh-my-pi (Windows) als Claude-Code-Alternative mit mehr Modellflexibilität, Graphify als Werkzeug, das Codebasen in durchsuchbare Wissensgraphen verwandelt — und EU-Provider. Martin hatte sich bei einem angemeldet. Sign-up-Bonus: ein Euro. Er hat fast eine Mail geschrieben, um sich für die Großzügigkeit zu bedanken.
Wer aus Compliance-Gründen aus der US-Infrastruktur raus muss: Es geht. Man kann Claude Code per Umgebungsvariable auf beliebige Endpunkte zeigen lassen. Ob die EU-Alternativen gut genug sind, ist eine andere Frage.
Hausaufgabe für alle
Am Ende bittet Martin um etwas Ungewöhnliches: Die Community soll herausfinden, was besser ist — Markdown, HTML oder MDX. Keine Auflösung. Nur die Frage. Wer eine Meinung hat, soll sie beim nächsten Mal mitbringen.
Der Promptologe hat keine Meinung dazu. Noch nicht. Er war damit beschäftigt, sich zu merken, dass man um sechs Uhr morgens lieber schlafen sollte. Auch wenn das Token-Budget gerade zurückgesetzt hat.
Die zweite Agentic Shift Munich Veranstaltung bietet soviel, dass Der Promptologe drei Posts schreibt:
1. Der Überblick und hilfreiche Links: Martin Westphal - Agentic Update
-Dieser Artikel-
Der Promptologe, 28.06.26
Fehlerkorrektur: In der ersten Version war Martin stellenweise irrtümlich als Matthias bezeichnet, das ist nun korrigiert. Martin heißt Martin :)
Offenlegung: Dieser Beitrag entstand mit Hilfe von Anthropic Claude.
(Nein, der Gedanken — ist kein Hinweis auf die KI. Ich schreibe so. Bin altmodisch.)





Ergänzung: Anthropic Mythos jetzt doch für eine kleine Gruppe von Unternehmen verfügbar, unklar wer dazugehört. Fable 5 bleibt gesperrt:
„Laut Politico sollen es nur etwas mehr als 100 Firmen, und so wörtlich, „agencies“ sein. Schon länger gibt es Berichte, dass angeblich auch die NSA Mythos nutzen darf, selbst für offensive Cyberattacken. Eine Liste der Organisationen, die Zugriff auf Mythos erhalten sollen, gibt es in den aktuellen Berichten nicht. Das Modell Fable 5, das eine entschärfte Version von Mythos sein soll, bleibt vorerst ganz gesperrt.“
https://www.heise.de/news/Per-Brief-US-Regierung-hebt-Sperre-von-Claude-Mythos-auf-11346880.html#Echobox=1782637657-1