Was bedeutet die KI für meinen Job? München hat geantwortet. Sechsmal. Fast identisch.
Jobverlust. Deskilling. Zeit. Und die leise Hoffnung, dass es diesmal anders läuft als mit Social Media. Ein Abend mit vielen Gesprächen — und einem überraschend klaren gemeinsamen Nenner.
Karikatur Nano Banana 2, Prompt Der Promptologe
Theresienstraße 6, Mittwoch, 22. Juli. Anthropic hat seine Claude Communities weltweit mit denselben Fragen beauftragt, und München hat sich für diese hier entschieden: What does AI mean for my job?
Eine harte Frage. Oder zumindest eine, die sich so anfühlt.
The english Version:
Der Promptologe kommt also hin. Käsebrettchen, Charcuterie, gekühlter Prosecco – die Einladung hat nicht zu viel versprochen. Weniger Konferenz, mehr Dinner Party, hieß es. Das stimmt. Der Raum ist gut gefüllt, die Stimmung entspannt, und niemand pitcht. Niemand erklärt, warum sein Start-up gerade die Disruption der Disruption disrupted. Das ist in München schon fast bemerkenswert.
Das Format: Kein Expertenpanel, keine Bühne, kein Vortrag. Stattdessen Tischgespräche in Gruppen, zwei Runden, und am Ende fasst jemand vom Tisch in drei Sätzen zusammen, was besprochen wurde. Die Moderation legt Wert auf die drei Sätze. Wirklich. Mehrfach.
Was der Abend bringt: sechs Tische, ein Thema, erstaunlich ähnliche Antworten
Der Promptologe setzt sich, hört zu, wandert zwischen den Zusammenfassungen umher. Und stellt fest: Die Tische haben unabhängig voneinander zu sehr ähnlichen Schlüssen gefunden. Was einerseits bemerkenswert ist. Und andererseits nicht.
These Nummer eins, einhellig: Wir alle werden Builder. Jeder kann jetzt Dinge bauen, die früher Entwicklerteams und Startkapital brauchten. Vom ersten Tisch bis zum letzten taucht diese Formulierung auf, manchmal auf Englisch, manchmal auf Deutsch, immer mit dem gleichen leichten Schwindel dahinter: Das ist eigentlich unglaublich. Und gleichzeitig – was passiert dann?
Eine Gruppe formuliert das so: Dieses Entrepreneurial Dreamland hat eine Ablaufdatum. Wann, weiß keiner. Aber dass es eines hat, da ist man sich einig.
These Nummer zwei, fast genauso einhellig: Jobverlust. Natürlich. Das wäre kein Münchner Abend über KI, wenn nicht irgendwo das Wort Jobverlust fiele. Es fällt. Mehrfach. Aber interessanterweise ist das nicht die eigentliche Angst des Abends.
Die eigentliche Angst ist subtiler. Eine Gruppe bringt sie auf den Punkt: Wir entkoppeln zwei Dinge, die zusammengehören. Die Fähigkeit, Artefakte zu produzieren – Texte, Code, Präsentationen – wächst rasend schnell. Die Fähigkeit, diese Artefakte zu beurteilen, wächst nicht mit. Sie ist ein Muskel. Und Muskeln, die man nicht benutzt, verkümmern. Cognitive Surrender, nennt das eine Gruppe. Eine andere spricht von Scope Erosion. Wieder eine andere von Brain Shrink.
Drei verschiedene Begriffe für dieselbe Beobachtung. München ist an diesem Abend produktiv, was das Erfinden von Schlagworten für kollektives Verblöden angeht.
These Nummer drei, unangefochten: Zeit. Nicht Geld. Nicht Zugang. Nicht Regulierung – obwohl die auch kurz auftaucht, irgendwo zwischen German regulatory frameworks und legislation, blah (der Promptologe zitiert gerne wörtlich). Das größte Hindernis für mehr KI-Kompetenz ist, dass niemand Zeit hat, sie aufzubauen. Eltern nach 23 Uhr. Hochbelastete Wissensarbeiter. Menschen mit echtem Leben außerhalb des Bildschirms.
Eine Gruppe sagt es ganz lakonisch: Wer hat schon zwei Wochen frei, um sich in KI reinzuknien?
Niemand. Die Antwort ist Niemand.
Die Sätze des Abends
Jede Gruppe soll ihren Abschluss-Satz formulieren. Das Format lautet: Munich finds hope in hard questions by tackling [X] first. Pflichtrahmen, freie Füllung. Der Promptologe sammelt die Ergebnisse:
…by tackling the gap between intelligence and governance first.
…by tackling time and trust first.
…by tackling access and participation for all population groups first.
…by leveraging what makes us unique and irreplaceable.
…by tackling our own mindset.
…by tackling which AI use cases are actually worth it first.
Sechs Tische, sechs Sätze. Alle klingen gut. Alle klingen irgendwie nach dem, was auf LinkedIn steht. Der Promptologe sagt das nicht als Kritik – er sagt es als Beobachtung. Es ist schwer, in zweieinhalb Stunden bei Prosecco und Käse zu Erkenntnissen zu gelangen, die nicht auch eine gut formulierte Substack-These sein könnten. (Ja, auch der Promptologe postet das hier auf Substack und hat euch lieb.)
Aber vielleicht ist das auch nicht der Punkt.
Was wirklich passiert ist
Hier ist, was der Abend tatsächlich geleistet hat, und der Promptologe meint das ohne Ironie: Ein Raum voller Menschen, die sich diese Frage normalerweise alleine stellen, hat sie gemeinsam gestellt.
Das klingt banal. Es ist es nicht.
Denn die Frage Was bedeutet KI für meinen Job? ist eine, bei der man leicht in eines von zwei Lagern kippt: entweder in den Optimismus der LinkedIn-Coaches (Du wirst nicht durch KI ersetzt, sondern durch Menschen, die KI nutzen!) oder in die stille Panik der Mitternachtsstunden. Dazwischen liegt wenig.
An diesem Abend liegt mehr dazwischen. Die Bedenken sind real – Jobverlust, Deskilling, Datenschutz, Machtkonzentration bei wenigen Konzernen, Deepfakes, die schleichende Abhängigkeit vom nächsten Modell-Update. Und die Hoffnungen sind es auch – bessere Work-Life-Balance, Demokratisierung von Schöpfung, beschleunigte Forschung, gelöste Probleme, die wir noch gar nicht kennen.
Beides gleichzeitig. In einem Raum. Bei Charcuterie.
Eine Person am letzten Tisch bringt es auf den Punkt, die der Promptologe am ehesten als ehrlich empfindet: Wir haben keine Best Practices. Wir wissen noch nicht, wie man KI gut in die eigene Arbeit integriert. Wir vergleichen es gerade mit Social Media – wir wissen, dass es uns nicht guttut, aber wir können nicht aufhören. Und wir hoffen, dass es diesmal anders ausgeht.
Munich finds hope in hard questions by tackling our own mindset.
Ja, vielleicht. Fangen wir damit an.
Der Promptologe verlässt die Theresienstraße 6 mit Häppchen im Magen, leicht beschallten Ohren und dem Gefühl, dass München an diesem Abend nicht die KI-Frage gelöst hat. Das war auch nicht der Auftrag. Der Auftrag war, sie gemeinsam zu stellen. Das hat geklappt.
In zwei Wochen gibt es einen Hackathon. Da sollen dann Lösungen her. Der Promptologe ist gespannt, ob das Format auch Charcuterie bietet.
Der Promptologe, 23.07.26
Offenlegung: Dieser Beitrag entstand mit Hilfe von Anthropic Claude.
(Nein, der Gedanken — ist kein Hinweis auf die KI. Ich schreibe so. Bin altmodisch.)





